Karel Capek (1890–1938) gilt als der einflussreichste Tschechische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, ist aber in der Schweiz kaum bekannt. Dabei stellt man sich unter dem Tschechischen Wort „Roboter“ (Krampfer) gerade wegen seines Bühnenstücks „R.U.R.: Rossum's Universale Roboter“ in der ganzen zivilisierten Welt Maschinen vor, welche Arbeiten verrichten, die sonst von Menschen besorgt werden müssten. Die Bedeutung dieser science fiction, welche 1921 als Bühnenstück zu einem Vorspiel und zwei Akten uraufgeführt wurde, geht aber weit über die Idee des künstlichen Menschen hinaus. Ihr Wert besteht nicht zuletzt in der gekonnten Schilderung der Menschen und ihrer Beziehungen untereinander, die mit der Versuchung und letzlich der Bedrohung durch ihre Erfindung zurecht kommen müssen; ihr Wert besteht aber auch in der unverminderten Aktualität in einer Zeit, in welcher (nach einem Wort von Max Frisch) der Weltuntergang auf verschiedenste Art herstellbar geworden ist. Spannung, Tiefgang und überzeugende Darstellung von Capek's Werk bewogen mich, das zur Zeit lediglich in englischer Sprache käufliche Drama auf Zürichdeutsch zu übersetzen. Allerdings hat sich die Welt seit 1921 stark verändert, so war Capek (der immerhin in seinem Roman „Krakatit“ die Atombombe praktisch profezeit hatte) die Entschlüsselung des Genoms unbekannt ound war auch die Stellung der Frau vor dem zweiten Weltkrieg eine sehr andere als heute. Deshalb erschien es mir notwendig, „R.U.R.“ zu überarbeiten, zu modernisieren und in eine mögliche Schweiz von morgen zu versetzen. Nach entscheidender Kürzung namentlich von Vorspiel und zweitem Akt ist auf diese Weise ein Hörspiel entstanden, wobei es mir ein Anliegen war, den ursprünglichen Text soweit als möglich, besonders aber die Absicht, die Idee, welche Capek zwischen die Zeilen gelegt hatte, zu erhalten.
Das Hörspiel also führt in einer ehemaligen und abgeschotteten Alpenfestung den Untergang der Produktionsanlage vor, in welcher die aus synthetisierten unnatürlichen Genen über madenartige Embryonen sich zu tausenden menschenartige aber seelenlose Roboter entwickeln. Physiologische, psychologische und technische Direktorinnen und Direktoren verbessern im Einverständnis mit einem Financié und dem CEO und auf Drängen von dessen humanitär bewegter Gattin deren Eigenschaften so lange, bis ihre Übermacht die zu willen– und kraftlosen Geniessern degenerierte Menschheit vernichtet und damit auch das eigene Aussterben bewirkt. Bei Hörspielen mit mehr als zwei Personen verschiedenen Geschlechts wird die Unterscheidung der verschiedenen Darsteller schwierig. Um deren Erkennbarkeit zu erleichtern, habe ich allen ihr eigenes Idiom zugeteilt. Die beiliegende CD mit Textproben soll den Hörspielern und –spielerinnen eine erste Vorstellung davon geben, wobei ich davon ausgehe, dass vorzüglich die bereits vorhandenen Sprachfähigkeiten benutzt werden.
März 2013, Felix Wyss